Duisburg Agenda 2027 – Moderne Stadtplanung oder moderne Vertreibungsstrategie ?

Die Stadt Duisburg lässt die Katze aus dem Sack: Auf der Suche nach Mehreinnahmen
sollen arme Duisburger und Duisburgerinnen ihre Wohnquartiere räumen zugunsten gut verdienender Neubürger.
Nun endlich ist das Geheimnis hinter dem Begriff “Agenda 2027” öffentlich gelüftet worden. Hat sich doch endlich die leidvolle Realität offenbart, die eine jede und jeder Betroffene in den Abrissvierteln dieser Stadt längst kennt. Seit Jahren wird insbesondere der Duisburger Norden immer wieder von großflächigen Abrissplänen bedroht.

Bruckhausen

Das sehr stark in die Kritik geratene sogenannte Grüngürtelprojekt in Bruckhausen umfasst den Abriss von fast einem Drittel des alten Arbeiterstadtteils, massenhaft bezahlbarer Wohnraum soll und wird hier gegen den Willen der Betroffenen dem Erdboden gleichgemacht. Sollten diese Pläne nicht gestoppt werden, wäre somit auch der Rest des Ortes in seiner Existenz gefährdet.

Hamborn ? Zinkhüttensiedlung

Aktuell steht die Zinkhüttensiedlung auf dem Programm der Stadtentwickler. Wenn es nach den Wünschen der Stadt geht, sollen hier 400 gut erhaltene und bezahlbare Wohnungen, ebenfalls im Duisburger Norden, für ein Factory Outlet Center weichen.

Marxloh

Die Agenda sieht es in ihrer Vision vor, dass auch im Stadtteil Marxloh bis zu 500 Häuser weichen sollen. Dabei wird stets betont, dass alles unter strenger Beteiligung der Betroffenen geschieht. In entsprechend konzipierten Bürgerforen darf und soll die Bevölkerung zwar diskutieren, ein Entscheidungsrecht bleibt jedoch Fehlanzeige. Demokratische Stadtentwicklung sieht hingegen anders aus. Planung und Entwicklung von unten, orientiert am Bedarf der BewohnerInnen ist nicht vorgesehen. Sie muss nicht nur eingefordert, sondern immer wieder erkämpft werden,
wie das Beispiel der Zinhüttensiedlung anschaulich beweist.
Der Duisburger Norden ist gemessen an der Situation der Gesamtstadt sehr stark durch wachsende Armut und hohe Arbeitslosigkeit geprägt. Bezahlbarer Wohnraum ist hier aus unserer Sicht notwendig, zwingend auszubauen und zu erhalten. Der Sozialbericht der Stadt hat jüngst einen zu erwartenden Mangel an Sozialwohnungen von 50.000 in den kommenden Jahren vorausgesagt. Stattdessen werden ganze Straßenzüge leer gezogen und eine Weitervermietung verweigert. Hartnäckige Betroffene wird durch zum Teil mafiöse Methoden das Leben schwer gemacht.
Die Veröffentlichung zur Agenda in der WAZ vom 30.1.2013 lässt tief blicken: ? Klares Ziel hinter dieser Planung: Platz schaffen für junge Familien und gut verdienende Neubürger?, und bedeutet im Umkehrschluss Abriss von günstigem Wohnraum und Vertreibung von Geringverdienern.
Dies ist das erschreckende Ergebnis einer scheinbar alternativlosen und und unsozialen Stadtentwicklungspolitik, die einmal mehr auf Kosten der Menschen mit geringem Einkommen realisiert werden soll. Auf der ständigen Jagd nach Mehreinnahmen überlässt die Stadt ihre BewohnerInnen nicht selten skrupellosen und unseriösen Investoren, wie im Fall des FOC. Menschen dieser Stadt werden unterteilt in Gewünschte und Unerwünschte. Das Konzept von “Duisburg 2027” steht im wesentlichen für eine Stadtplanung, die sich zukunftig vorrangig an den Wohnbedürfnissen “einkommensstarker und vermögender Haushalte” orientiert, so wie es am Duisburger Innenhafen mit seinen Wohnanlagen für den gehobenen Mittelstand anschaulich zu beobachten ist.
Damit muss Schluss sein! Klar ist, das der Duisburger Norden sich längst in mehreren Initiativen diesem Treiben widerständig in den Weg stellt. Parolen wie: Wir bleiben alle! Sind in der Zinkhüttensiedlung Leitmotiv für die verbliebenen MieterInnen in ihrem entschlossenen Kampf um ihre Siedlung und eine lebenswerte Stadt.

Das Duisburger Netzwerk gegen Rechts spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen
diese Art von Stadtplanung und jede Art von Vertreibung aus.
Solidarität mit allen von Vertreibung bedrohten Menschen in dieser Stadt !
Für eine gerechte und lebenswerte Stadt, in der Wohnen nicht zum Luxusgut werden darf!
Bezahlbarer und menschenwürdiger Wohnraum für Alle!

Duisburg, 14.02.2013

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