Nach Düsseldorf, Köln und Bonn nun PEgIdA NRW in Duisburg: Alter Wein in neuen Schläuchen!

Am gestrigen Abend hatte sich PEGIDA NRW zum ersten Mal in Duisburg angekündigt. Großspurig wurde vor allem jedwede Distanz zu der Partei Die Rechte, NPD, Kameradschaften, PRO NRW oder sonstigen Rechtspopulisten im Vorfeld formuliert. Die Organisatoren taten auch noch gestern so, als wenn sie die Stimme des Volkes repräsentieren würden.

Pegida NRW stoppen 2


Tatsächlich aber wäre es ein trauriges Häuflein gewesen hätten sie nicht offensichtlich Unterstützung durch Hooligans, Kameradschaften(Aachen, Duisburg), also organisierten rechten/neofaschistischen Strukturen erhalten, wie zuvor in den anderen NRW–Städten. TeilnehmerInnen, die noch vergangene Woche in Düsseldorf gelaufen waren, schlugen diesmal in Duisburg auf. Die organisierten Faschisten wollen also offensichtlich den Kulturkampf gegen Muslime nicht ihrer rechtspopulistischen Konkurrenz von PRO NRW und den anderen antiislamischen Kleinstparteien überlassen. Nur deshalb ist zu verstehen, dass sie gänzlich auf eigene Propaganda verzichten und plötzlich für „jüdisch-christliche Tradition des Abendlandes“ laufen, wie es die offizielle Position der PEGIDA formuliert.

Entgegen der meisten Medienberichte und auch der Pressemittellung der Polizei konnten wir zu keinem Zeitpunkt mehr als 400 TeilnehmerInnen zählen. Auch diese Zahl zeigt, dass es nicht mehr waren, als auf den vergangenen Ansammlungen in den anderen Städten in NRW. Das Potential ist also offensichtlich ausgeschöpft. Trotzdem gibt es keinen Grund zu Entwarnung, denn ob Rechtspopulisten oder Neonazis, sie alle stellen ein Bedrohung für MigrantInnen, Muslime und eine sozial gerechte und solidarische Gesellschaft dar.

Deshalb können alle, die sich gestern lautstark an den Gegenprotesten am Bahnhof beteiligt haben, zufrieden sein, dass sie verhindert haben, dass die PEGIDA– Kundgebung und -Demonstration nur isoliert und unter Polizeischutz von Statten gehen konnte. Teilweise bis zu 1000 Menschen drückten ihren Protest vor dem Bahnhof und an der Demonstrationsroute aus. Insbesondere die AktivistInnen des Bündnisses DSSQ versuchten immer wieder durch friedliche Blockaden im Bahnhof oder auf der Route den Rassistenaufmarsch zu stoppen.

Wir werten die gestrige Gegenmobilisierung als ersten Schritt in die richtige Richtung. Und wir werden uns auch nicht darauf verlassen, dass die Kräfte, die sich im „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage“ zusammen geschlossen haben, einen wesentlichen Beitrag zum Widerstand gegen PEGIDA leisten werden. Auch wenn sie gestern ca. 4000 Menschen auf den Theaterplatz mobilisiert haben, so war das wieder einmal weit entfernt vom Schauplatz des Geschehens. In der Vergangenheit hatte das Bündnis Nazis und Gegendemonstranten auf eine Ebene gestellt, und schon damit gezeigt, wessen Geistes Kind es ist. Zudem stammen aus der sogenannten “Mitte”, die das Bündnis zu repräsentieren meint, u.a. Personen wie Thilo Sarrazin, die erst medial den Weg für die die Islamhetzer von PEGIDA bereitet haben.

Zur medialen Nachbereitung möchten wir nur folgendes mitteilen: Den Vogel schießt diesmal die Rheinische Post ab. Wir werten es als Rückfall in alte Zeiten, in denen in der CDU- nahen Zeitung immer wieder für mehr Polizei und schärfere Gesetze agitiert werden muss. Unter der Überschrift: „Autonome Gewalt und Parolen von Rechts“ in der Onlineausgabe vom 20.1.2015 wird der Widerstand gegen PEGIDA auf “Gewalt von Links” reduziert, und ansonsten bleibt sie Law-and-Order-Parolen treu. Wir dagegen mussten gestern zur Kenntnis nehmen, dass sich unsere Gegenkundgebung gegen Angriffe von außen selbst schützen muss, als offensichtlich alkoholisierte rechte Hooligans versuchten, uns anzugreifen. Die Polizei war völlig überfordert, und nur mehreren beherzten DemonstrantInnen ist es zu verdanken, dass sie sich schnell wieder aus dem Staub machten. Desweiteren sind uns einzelne völlig unverhältnismäßige Angriffe der Polizei gegen GegendemonstranteInnen mitgeteilt worden, die natürlich nicht in der ‘Rheinischen Post’ Erwähnung finden.

Wir rufen hiermit erneut zu Gegenaktionen für kommenden Montag ab 17.30 Uhr am Duisburger Hauptbahnhof auf, damit wir PEGIDA gemeinsam den Raum nehmen und ihnen unsere Solidarität entgegensetzen können!
Stoppt die antimuslimische Hetze – für eine solidarische Gesellschaft!

Duisburger Netzwerk gegen Rechts
20.01.2015

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