WAZ verbreitet rassistische Lügen, Leitung der Universität Duisburg-Essen schließt muslimischen Gebetsraum – und der AStA nickt es ab

Am heutigen frühen morgen veröffentlichte die WAZ einen Bericht unter der reißerisch- wie hetzerischen Überschrift „Diskriminierung im Namen Allahs“. Es geht um die Schließung eines islamischen Gebetsraums am Campus Essen. In diesem Artikel zeichnet die SPD-nahe Lokalzeitung ein Schreckensbild wie aus dem Alptraum eines Lutz Bachmann – oder vielleicht passender, eines Thilo Sarrazin: „Muslimische Fundamentalisten“ würden Andersgläubige bedrängen, Frauen Gebote erteilen und der Universität ihren Willen aufzwingen. Dabei Stützt sich der Author Gerd Niewerth auf eine dubiose anonyme Quelle. Aber auch beispielsweise auf den Wahlsieg der UNITED STUDENTS im vergangenen Sommer. Die Internationale und soziale Liste für Hochschulpolitik von unten wurde bereits in der Vergangenheit von der WAZ fälschlicherweise – ob bewusst oder aus Ignoranz – als „muslimisch dominiert“ bezeichnet, weil sie nicht zu 99% aus weißen sog. Herkunftsdeutschen bestand und sich u.a. für bessere Gebetsräume und Halal-Essen in der Mensa einsetzte. Der Islamische Studierendenbund (ISB) zeigte sich indes in einer ersten öffentlichen Erklärung äußerst schockiert von den Lügen der WAZ.

Hintergrund des ganzen Hetzartikels ist der Plan der Universitäts-Leitung, den Raum zu sanieren und als „Raum der Stille“ wieder zu eröffnen. Ähnliches wurde kürzlich auch an der Uni Dortmund beschlossen. Die Verantwortlichen schieben ein angebliches Säkularisierungsbestreben für die Universitäten vor. Diese Argumentation kennen wir aber bereits von anderen Diskursen, die sich in den vergangenen Jahren gegen Muslime richteten: Kopftuchverbote für Lehrerinnen wurden damit genauso begründet, wie die sog. „Beschneidungsdebatte“, die sich in ihrer Konsequenz gleichsam gegen Muslime und Juden richtete. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise die Evangelische Studierendegemeinde am Campus Essen nicht nur ein eigenes Gebäude besitzt, sondern hier auch problemlos das Monopol des Studierendenwerks, auf dem Campus-Gelände Essen und Getränke zu verkaufen, umgehen kann, kann diese Argumentation zudem leicht als heuchlerisch enttarnt werden.

 

Wir glauben indes nicht an einen Zufall, dass gerade jetzt, wo die Stimmung gegen Muslime durch die Anschläge von Paris und die Vorfälle von Silvester wieder hochgekocht wurden und werden, solche Entscheidungen von den Uni-Leitungen beschlossen werden. Viel mehr geht es ihnen darum, die Situation zu nutzen, um ihnen unliebsame Räumlichkeiten dicht zu machen. Vor diesem offensichtlichen Hintergrund ist es noch empörender, dass sich der AStA als eigentlich offizielle Vertretung der Interessen der Studierenden für diese Argumentation einspannen lässt. In einer Stellungnahme kritisiert er zwar den hetzerischen Artikel der WAZ, der Plan der Universitäts-Leitung, den muslimischen Studierenden den Raum zu nehmen, in dem sie sich ihren religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnissen widmen können, stößt aber offensichtlich auch bei den dort vertreten Listen auf Zustimmung.

 

Darum verurteilen wir nicht nur entschieden diesen neuerlichen rassistischen Ausfall der WAZ, sondern auch die antimuslimische Initiative der Universitäts-Leitung und fordern den AStA auf, nicht in die Säkularismus-Falle zu tappen, sondern entschieden das Grundrecht auf Religionsfreiheit zu verteidigen! Zudem gibt es gute Gründe, weshalb beispielsweise muslimische Frauen beim Beten keinen Mann unmittelbar hinter sich haben wollen, wenn sie zum Beten auf die Knie gehen. Räumliche Trennung in Gotteshäusern ist weder im Islam noch beim Judentum per se mit Geschlechterdiskriminierung gleich zu setzen!

 

Zuletzt wollen wir an dieser Stelle den Betroffenen dieser rassistischen Stimmungsmache und Verdrängungspraxis seitens der Uni-Leitung unsere volle Solidarität aussprechen.

 

Gleiche Rechte für alle – stoppt die antimuslimische Hetze!

Für eine internationale, solidarische und lebenswerte Gesellschaft!

 

12.03.2016

Duisburger Netzwerk gegen Rechts

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