Sicherheitsfalle: Racial Profiling Trifft die Falschen, nutzt nichts, schürt Rassismus von Elke Steven*

In der Silvesternacht 2016/2017 hatte die Polizei den Auftrag, dafür zu sorgen, dass in Köln rund um Dom und Hauptbahnhof relativ ungestört gefeiert werden konnte. Die massenhaften sexuellen Übergriffe des letzten Jahres mussten diesmal unbedingt verhindert werden.

Bundes- und Landespolizei sortierten deshalb im Bahnhof und davor die Ankommenden danach, ob sie «nordafrikanisch» aussahen und ob es sich um alleinreisende Männer handelte. Diese wurden zu einem eigenen Ausgang geschickt, sollten dort kontrolliert werden, wurden aber vor allem lange in einem Polizeikessel festgehalten. Die Polizei selbst twitterte noch in der Nacht, sie überprüfe «mehrere hundert Nafris». Die Abkürzung steht polizeiintern für nordafrikanische Intensivtäter.

Selbstverständlich konnte auch die Polizei den Menschen nicht ansehen, ob sie Straftäter, gar Intensiv- oder Gewaltstraftäter waren. Dass sie ihnen auch die Herkunft nicht ansehen konnte, erkannte die Landespolizei zwei Wochen später. Sie informierte die Öffentlichkeit, die kontrollierten «Nafris», von denen es schnell hieß, das wären diejenigen, die letztes Jahr die Straftaten begangen hätten, kämen vorrangig aus dem Irak, aus Syrien und Afghanistan. Mit den Tätern und Verdächtigen vom letzten Jahreswechsel gab es keine Übereinstimmungen.

Amnesty International kritisierte bereits am Neujahrstag, die Polizei habe rechtswidrig Racial Profiling betrieben. Die Politik hingegen, aber auch die Medien, erst recht die in Nordrhein-Westfalen, feierten eine erfolgreiche Polizei, die sexuelle Straftaten, Gewalttaten und Diebstahl in diesem Jahr weitgehend verhindert habe. Ob diese Straftaten durch die Kontrollen und Platzverweise, durch eine omnipräsente Polizei in der Stadt oder durch sonstige Umstände relativ gering ausfielen, wissen wir in Wirklichkeit nicht. Journalistinnen, die vor Ort waren, berichteten sehr eindrücklich, wie selbstverständlich allen ausländisch aussehenden Männern, die ohne begleitende Frauen unterwegs waren, ein Mitfeiern unmöglich gemacht wurde. Selbstverständlich waren auch Deutsche unter den «Aussortierten». Noch nicht einmal dieser Begriff aus dem Wörterbuch des Unmenschen ließ Journalistinnen, Politiker und Bürger aufschrecken.

weiter unter: http://www.sozonline.de/2017/02/sicherheitsfalle-racial-profiling/

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