Veranstaltung: Yeni Türkiye? Die Türkei zwischen Krise und neuen Perspektiven, Dienstag 17.10.2017, 18.30 Uhr; Internationales Zentrum, Flachsmarkt 15, DU – Zentrum5

Was ist los in der Türkei? Bis vor wenigen Jahren galt die Politik der AKP hierzulande als Musterbeispiel in einem Land des Nahen Ostens für Demokratisierung, Wirtschaftswachstum und Aussöhnung sowohl mit den Nachbarn als auch innerhalb der eigenen Bevölkerung.

 

Heute dagegen vergeht kaum ein Tag, an dem insbesondere Präsident Erdoğan in den deutschen Medien nicht als autoritär kritisiert wird. Es kommt regelmäßig zum Schlagabtausch zwischen Vertretern der türkischen und westeuropäischen Regierungen, im Bundestagswahlkampf gingen insbesondere SPD und Grüne, aber auch Die Linke mit der Forderung nach einer härteren Politik gegenüber Ankara auf Stimmenfang und der EU-Beitrittsprozess liegt seit Jahren auf Eis.
Gleichzeitig werden in der Türkei offen politische Kämpfe ausgetragen. Einerseits ringen nach wie vor der säkulare Kemalismus der alten Eliten und der seit den 1990er Jahren erstarkende Politische Islam miteinander. Auf der anderen Seite streben die Kurden noch immer nach mehr Autonomie. Zuletzt brach auch innerhalb des islamischen Lagers ein Machtkampf zwischen der Gülen-Bewegung und der AKP aus.
Vorläufiger Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen war der Putschversuch im Juli 2016. Darüberhinaus ist der Konflikt mit der PKK erneut eskaliert, die Türkei steckt längst fest im syrischen Drama und türkische Metropolen sind Ziele von Anschlägen.
Innerhalb dieser Gemengelage verschoben sich in den letzten Jahren auch immer wieder Konfliktlinien. So warb die AKP insbesondere in ihrer Anfangszeit verstärkt um die Gunst der Kurden, während sie zuletzt einen nationalistischeren Ton anschlug. Die HDP indes suchte eine Allianz mit der kemalistischen CHP und war sogar bereit mit der rechtsradikalen MHP zusammen zu arbeiten, um die AKP auszustechen, was jedoch misslang.
Wo steht die Türkei heute und welche politischen Akteure stehen sich derzeit gegenüber? Wie ist der anhaltende Erfolg der AKP zu erklären? Wofür steht eigentlich die Opposition und wie sehen ihre Perspektiven aus? Welche Möglichkeiten zur Lösung der kurdischen Frage gibt es derzeit? Diese und weitere Aspekte sollen anhand der Erfahrungen aus der türkischen Geschichte und der jüngsten Entwicklungen jenseits orientalistischer Arroganz und westlicher Machtinteressen kritisch diskutiert werden.

Ali Cem Deniz studierte Internationale Entwicklungen in Wien und arbeitet als Journalist für den Radiosender FM4. Er ist Autor des 2016 erschienenen Buches Yeni Türkiye – Die Neue Türkei.

Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Club Duisburg in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

Unterstützer: Duisburger Netzwerk gegen Rechts

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